Stadtkaufhaus an der Paulinenbrücke
Sophienstraße 21, 70178 Stuttgart
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Öffnungszeiten des Gerber: 07:30 - 22:00 Uhr Bitte individuelle Öffnungszeiten der Läden und Gastronomien beachten.

Aroma Jockey Odo7: Ventilatoren statt Lautsprecher

Im Gerber wir Einjähriges gefeiert. Das Jubiläum steht unter dem Motto “Ein Fest für alle Sinne” und heute geht’s ums Riechen.

Aroma Jockey Odo7

Die Blätter einer großen Yucca-Palme wedeln wild vor sich hin. Ich höre Soundcollagen aus House-Musik, dazu Vogelgezwitscher und das Rauschen eines Wasserfalls. Ein wundersamer Geruch umschmeichelt meine Nase – bin ich wirklich noch im Kaufhaus?

Das Gerber, Donnerstag gegen 18 Uhr. Die Menschen haben ihren Arbeitstag hinter sich gebracht und wollen schnell noch ein paar Einkäufe erledigen. Scheinbar hat keiner Zeit und dennoch … bleiben die ersten stehen. Staunende Gesichter: Was macht der gut gelaunte Mann im schwarzen Outfit auf der schwarzen Bühne mit den vielen Fläschchen und silbernen Schalen? Er heißt Erich Berghammer und ist ein DJ der besonderen Art: Als Odo7 zieht der Aroma Jockey normalerweise das Publikum in Clubs und auf Partys in seinen Bann – mit Musik, aber vor allem mit Aromen. Heute ist er zu Gast im Gerber.

Die Musik wird schneller, ein treibender Beat. Berghammer schiebt Schalen mit brodelnden Essenzen auf zwei Herdplatten hin und her. Rauch steigt auf. Dann greift er sich zwei Fläschchen, schüttelt sie im Takt der Musik und sprüht in die Luft: Bergamotte und Bibergeil wie ich später erfahre. Er verbrennt Patschuli, ein frischer Geruch wie nach einem Monsunregen. Mittlerweile haben sich einige Zuschauer auf den Sitzinseln im Umfeld der Bühne niedergelassen, andere stehen einfach nur da.

 

Ventilatoren statt Lautsprecher

 

Zwei Damen drehen ihre Nase in die Luftströmung der mächtigen Ventilatoren rechts und links auf der Bühne – quasi die Duftlautsprecher des Aroma Jockeys. Beide Frauen lächeln scheinbar ohne zu wissen warum und breiten die Arme aus, als wollten sie die Duftwolken einfangen. Ich schließe meine Augen, höre den Klang des Waldes und rieche den Geruch der Farben. Saftige Mandarinen vor sattgrünen Blättern, Zedernholz, feuchtes Moos. Vielleicht geht jetzt auch die Fantasie mit mir durch, aber eines steht fest: Meine Laune wird immer besser.

Ich denke, vielleicht kommt das ja bei anderen anders an und frage rechts vor mir ein junges Pärchen: „Schon betört von den vielen Gerüchen und Klängen?“ Sie: „Ja, wenn ich die Musik höre und den Duft rieche, fühle ich mich wie auf einer tropischen Insel … Tahiti oder so.“ „Man vergisst einfach das nasskalte Herbstwetter und ist glücklich“, fügt er hinzu.

Vielleicht macht gerade das die Kunst von Odo7 so wertvoll: er versprüht seine Düfte, damit man loslässt, fröhlich wird und Alltagsprobleme für einen Moment vergisst. Er drückt auf zwei Zerstäuber und verteilt einen neuen Duft mit kreisenden Bewegungen seiner Arme. Dabei wippt sein Körper weiter im Rhythmus der Musik. Tiefe Bässe setzen ein. „Riecht Bass anders als Violine, Rock anders als House?“, frage ich mich.

 

Dj Odo7 am Mischpult

 

Mittlerweile ist eine Stunde vergangen und Erich Berghammer verabschiedet sich unter Applaus von seinem Publikum. Ich nutze die Gelegenheit, um dem Österreicher mit Wahlheimat Amsterdam noch ein paar Informationen zu entlocken: „Geboren wurde die Idee 2002. Dabei bin nicht ich zu den Gerüchen gekommen, die Gerüche sind zu mir gekommen, sie sind meine Passion.“ Odo7 benutzt ausschließlich naturreine Essenzen und Öle, vieles stellt er selbst her, denn nicht alles ist in gewünschter Qualität zu kaufen. Die Zutaten sind teuer und kommen aus der ganzen Welt. An einem guten Abend legt er mehr als 30 Düfte auf. Wie ich von seinen Duftkreationen an so einem Abend am meisten mit bekäme, möchte ich von ihm wissen: „Dreimal kurz schnüffeln und einmal lang ausatmen …“, antwortet er trocken, „… habe ich von meinem Hund gelernt“.